Englisches Frühstück selbstgemacht

Wenn es eins gibt, das ich aus England und Irland richtig vermisse, dann ist es das gelegentliche Völlerei-Frühstück. Deshalb darf es in der Tea Time Reihe auch nicht fehlen. Wer noch nie auf einer der Inseln war und es nicht kennt: Englisches Frühstück ist das wahrscheinlich geladenste Frühstück der Welt. Für die meisten ist es einfach grundsätzlich zu viel und ich kenne niemanden, der nach einem englischen Frühstück nicht zum bersten voll war. Neben „Full English Breakfast“ wird es auch „Builder’s Breakfast“ (also Bauarbeiterfrühstück) genannt. Es besteht aus Hashbrowns (Röstis), Pilzen, Wurst, Ei, Black Pudding (Blutwurst), Tomate, Toast und natürlich Beans. Das ganze wird auf einem großen, bis zum Rande gefüllten, Teller präsentiert und meistens mit einem ganzen Pott Tee mit Milch und Zucker heruntergespült. Das hat zur Folge, dass man von jedem Kater befreit ist und sich etwa eine Stunde nicht mehr normal bewegen kann. Sicherlich ist es nichts für den täglichen Verzehr, aber will man sich mal so richtig etwas gönnen oder den Abend zuvor ungeschehen machen, ist es genau das Richtige. Deshalb zeige ich euch hier, wie ihr englisches Frühstück selber machen könnt.

Ohne Planung geht nichts

Leider hat die Globalisierung noch nicht in allen Bereichen voll zugeschlagen. Damit meine ich nicht, dass wir noch mehr unnützen Kram aus weit entfernten Ländern importieren sollten und diesen dann als Superfood den Menschen an den Kopf werfen sollten. Auf keinen Fall! Im Gegenteil sogar geht es hier um Lebensmittel, die wir hier einfach nicht produzieren, weil sie von jeher bei uns anders verarbeitet werden. Theoretisch müssten wir, um englisches Frühstück selber machen zu können, nur die bereits vorhandenen Lebensmittel zu anderen Produkten machen. Ein gutes Beispiel ist da Bacon. Was bei uns hier in Deutschland als Bacon verkauft wird würde ein Engländer seinem schlimmsten Feind nicht unterjubeln. Der sogenannte „Streaky Bacon“ ist nämlich ein übermäßig fettiger Schnitt und hauchdünn im Vergleich zum englischen Bacon, der fast an ein mageres Steak erinnern könnte.

Englisches Frühstück zum selber machen ist eine echte Erfahrung

Worauf ich hinaus will ist, dass wir einiges nicht im deutschen Supermarkt kaufen können, was es im englischen Supermarkt standardmäßig gibt. Das macht das englische Frühstück selber machen zu einer Herausforderung. Hat man Glück und wohnt in einer multikulturellen Großstadt, findet man mit wenig Mühe einen englischen Laden, der diese Marktlücke schließt. Lebt man aber wie ich in einer Stadt, in der Spezialitätenläden sich nicht halten, hat man es schwieriger. So bin ich zum Beispiel auf Lebensmittel-Versandhandel gekommen. Ich finde es zwar schade, aber es blieb mir nichts anderes übrig. Damit ich nicht zu oft bestellen muss, habe ich einfach eine große Bestellung aufgegeben und bin für einige Zeit gut mit Spezialitäten eingedeckt. Primäre Probleme bei der Beschaffung gibt es bei Bacon und Black Pudding. Natürlich kann man Bacon mit unserem Bacon ersetzen und Black Pudding einfach weglassen, aber es ist einfach nicht dasselbe.

Multitasking vom feinsten

Wenn man sich den Teller so ansieht, kann man sich vorstellen, dass englisches Frühstück selber machen nicht unbedingt eine entspannte Angelegenheit ist. Viele Zutaten müssen gleichzeitig verarbeitet werden und dabei muss man natürlich darauf achten, dass nichts anbrennt oder verkohlt. Die einfachste Methode ist dabei ein riesiges Blech, bzw. eine riesige Pfanne – am besten auf einem Grill. Da die meisten unter uns aber so etwas nicht zuhause haben, müssen wir uns mit einer gewöhnlichen Pfanne und dem Backofen zufrieden geben. Die kombinierte Nutzung von Pfanne und Ofen bedeutet weniger Hektik in der Küche. Da ihr ja nicht wollt, dass ein Teil des Frühstücks kalt wird, ist man so auch besser bedient. Timing ist dabei natürlich auch ein Faktor. Um euch dabei zu helfen, gibt es hier das Rezept damit ihr englisches Frühstück selber machen könnt:

Englisches Frühstück

Das ultimative Frühstück gegen Kater und den schlimmsten Hunger. Sicherlich nichts für jeden Morgen, aber ab und an ist es einfach himmlisch. Deftig bekommt mit diesem Frühstück eine ganz neue Definition. Für die Diät ist es allerdings wirklich nicht geeignet – wer eine kompatible Diät kennt, soll mich bitte direkt anschreiben!
Vorbereitungszeit10 Min.
Zubereitungszeit50 Min.
Gericht: Frühstück
Land & Region: England, Irland
Keyword: Englisch, herzhaft, Katerfrühstück
Portionen: 2 Personen

Zutaten

  • 4 Toastscheiben
  • 4 Eier
  • 100 g Pilze
  • 4 Schweinswurst
  • 4 Hashbrowns (Röstis)
  • 2 Tomaten Halbiert
  • 4 Scheiben Black pudding (englische Blutwurst)
  • 1 Dose Baked Beans
  • 4 Scheiben English Bacon

Anleitungen

  • Heizt den Ofen auf 160° Oberhitze vor. Hat der Ofen eine Grillfunktion, umso besser. Bereitet ein Backblech mit Backpapier vor, indem ihr den Bacon, die Röstis und die halbierten Tomaten darauf platziert.
  • Während der Ofen vorheizt schneidet ihr den Black Pudding in dicke Scheiben (etwa 1-2 cm). Die Pilze könnt ihr ganz verwenden oder auch in Scheiben schneiden.
  • Schiebt das Backblech in die oberste Schiene. Lasst den Ofen leicht geöffnet, sodass ein wenig der Hitze herausströmen kann. Backt die Zutaten für etwa 20 Minuten. Nach 10 Minuten dreht ihr die Röstis und den Bacon einmal um.
    Bacon, Röstis und Tomaten können im Ofen zubereitet werden
  • Erwärmt ein wenig Butter oder Speiseöl in einer Pfanne und bratet darin die Würstchen an. Innerhalb von 15 Minuten sollten sie von allen Seiten goldbraun sein.
    Die Würstchen von allen Seiten goldbraun braten
  • Nachdem ihr die Röstis und den Bacon umgedreht habt, gebt ihr die Baked Beans in einen kleinen Topf und erwärmt sie bei mittlerer Hitze. Beginnt die Sauce zu kochen, senkt die Temperatur auf die niedrigste Stufe.
  • Gebt etwa 50g Butter oder Speiseöl in eine große Pfanne und heizt diese auf mittlerer Stufe auf. Hinzu kommen die Pilze. Schwenkt die Pilze bis sie beginnen, goldbraun zu werden. Schiebt die Pilze an den Rand der Pfanne und gebt den Black Pudding hinzu. Bratet diesen von beiden Seiten gut an. Haltet sie gegen Ende auf niedrigster Stufe warm.
    Black Pudding gut von beiden Seiten anbraten - verwendet dickere Scheiben als hier!
  • In einer neuen Pfanne (oder der Pfanne, die ihr für die Würstchen benutzt habt), bratet ihr die Eier bis zum gewünschten Grad zu Spiegeleiern an.
    Bratet die Eier zu Spiegeleiern an
  • Ist der Bacon knusprig und sind die Röstis fest, fehlt nur noch der Toast. Nach dem Toasten kommt alles auf die Teller. Ideal ist es mit dem Toastbrotganz unten, gefolgt vom den Baked Beans und schließlich dem Ei. Die restlichen Zutaten verteilt ihr über den ganzen Teller. Jetzt heißt es: Genießen und ins Fresskoma fallen.
    Dieser Teller bekämpft jeden Kater

Notizen

Übrigens: Ihr könnt die Pilze auch mit ein wenig Butter versehen und ebenfalls im Ofen garen lassen!

Ich gebe zu, das englische Frühstück ist fettig. Ich gebe zu, es grenzt an Völlerei. Ich gebe zu, es ist nicht wenig Arbeit (insbesondere das Aufräumen nachher). Aber seien wir ehrlich: Es ist einfach unglaublich lecker! Wenn ihr euch die Arbeit sparen wollt, erinnert euch einfach daran, wenn ihr das nächste mal in England oder Irland seid und gönnt euch ein englisches Frühstück im Pub. Es lohnt sich insbesondere, wenn ihr am Vorabend ein oder zwei Pints zu viel getrunken habt und noch etwas aus dem Tag herausholen wollt. Keine Sorge, die meisten Pubs bieten dieses Frühstück (nicht grundlos) den ganzen Tag an. Vergesst dabei nicht den klassischen englischen Schwarztee mit Milch und Zucker – Das rundet die Erfahrung wirklich ab.

Ich wünsche guten Appetit!

Cheerio,

Anna

Gefüllter Apfelkuchen für Tea Time

Apfelkuchen geht eigentlich immer. Man kann ihn zur Arbeit bringen, Gästen anbieten oder auch für Familienfeiern – wie zum Beispiel Ostern – schnell auf den Tisch bringen. Er schmeckt so gut wie jedem und man kann nicht viel falsch machen. Was will man mehr? Ich liebe Apfelkuchen und habe auch ein ganz besonderes Familienrezept, das immer wieder mal herausgekramt wird. Aber ich suche auch ab und zu nach neuen Variationen und tollen Ideen, wie man aus einem einfachen Apfelkuchen noch mehr herausholen kann. Aus meiner Zeit in England habe ich auch so einiges mitgenommen. Dazu gehört auch die Idee für dieses Rezept für Tea Time, das auf der Insel sehr beliebt ist. Gefüllter Apfelkuchen kombiniert den tollen Geschmack von Apfelkuchen mit dem Überraschungsmoment.

Gefüllter Apfelkuchen, frisch aus dem Ofen für eure Tea Time

So unscheinbar gefüllter Apfelkuchen von außen aussieht, sobald man hineinschneidet – insbesondere, wenn er noch warm ist – verwandelt er sich in etwas Besonderes. Der fluffige Teich umarmt die weichen und süßen Apfelstücke im Inneren und – wenn man die ausgefallene Version backt – die winterlichen Gewürze geben dem Ganzen den letzten Schliff. Hinzu kommt, dass das Rezept unglaublich einfach ist. Insgesamt braucht man lediglich eine Stunde, um einen dampfenden, duftenden Kuchen vor sich zu haben.

Gefüllter Apfelkuchen

Vorbereitungszeit10 Min.
Zubereitungszeit50 Min.
Arbeitszeit1 Std.
Gericht: Nachspeise
Keyword: Englisch, Kuchen
Portionen: 12 Personen

Zutaten

  • 300 g Mehl
  • 2 TL Backpulver
  • 2 TL Natron
  • 250 g Zucker
  • 250 g Butter weich
  • 5 Eier groß
  • 1 Apfel Boskoop eignet sich sehr gut
  • 1 Zitrone fein gerieben
  • 2 EL Puderzucker
  • 1 TL Lebkuchengewürz optional
  • 3 EL Rosinen optional

Anleitungen

  • Den Ofen heizt ihr auf 170°C (Ober- und Unterhitze) vor (150°C Umluft). Fettet eine Kastenform mit Butter oder z.B. Backöl ein.
  • Das Mehl, Backpulver und Natron gebt ihr in eine Schüssel und vermischt es mit dem Zucker, der Butter und den Eiern mit einem Handrührgerät für etwa 4 Minuten. Der Teig sollte geschmeidig und frei von Stückchen sein.
  • Schneidet den Apfel in kleine Stücke (mit oder ohne Schale) und vermischt diese mit dem Lebkuchengewürz, der geriebenen Zitrone und – optional – den Rosinen.
    Die Apfelstücke werden mit den Gewürzen und der geriebenen Zitrone vermischt
  • Gebt die Hälfte es Teigs in die Kastenform und schafft mit einem Löffel oder Teigschaber eine kleine Kule. Hier kommen die gewürzten Apfelstücke hinein. Benutzt am besten einen Löffel und bringt die Stücke behutsam in die Mitte des Kuchens. Dabei sollte ein kleiner Rand bleiben, damit der Apfel nur im Inneren des Kuchens bleibt.
    Die Hälfte des Teigs kommt in die Kastenform und in der Mitte schafft ihr eine Kule
  • Gebt nun den Rest des Teigs hinzu und schafft eine flache Decke über dem Apfelkern.
  • Optional: gebt 2 Teelöffel Zucker über den Kuchen bevor ihr ihn in den Ofen schiebt
    Die zwei Teelöffel Zucker geben der Kuchendecke das süße Extra
  • Lasst den Kuchen für 50 Minuten im vorgeheizten Ofen aufgehen. Nach 40 Minuten könnt ihr das erste Mal mit einem Holzstab testen, ob der Teig bereits fest ist. Klebt noch Teig am Holzstab, muss der Kuchen noch etwas im Ofen bleiben.
  • Der fertige Kuchen sollte einige Minuten abkühlen, bevor ihr ihn aus der Kastenform befreit. Tut ihr dies nicht, kann es sein, dass der Kuchen beim Herausholen auseinander bricht.

Notizen

Übrigens: Das Rezept lässt sich auch anstelle von Äpfeln mit Beeren machen! Nehmt dazu einfach 200g gefrorene Beeren (z.B. Beeren-Mix) und lasst sie für 20 Minuten antauen. Meine Empfehlung ist, in diesem Fall das Lebkuchengewürz wegzulassen, da dieses sehr viel Geschmack mit sich bringt und – wie ich finde – nicht so gut zu den Beeren passt.

Nachträglich muss ich sagen, dass man auch gerne mehr als nur einen Apfel verwenden kann. Nicht jeder Apfel ist aber ideal geeignet zum Backen und entwickelt dabei einen schönen Geschmack. Deshalb bin ich definitiv ein Fan vom Boskoop Apfel. Frisch mag er nicht besonders viel hermachen, aber wenn man ihn zum Backen verwendet, entfaltet er einen wirklich tollen Geschmack. Das gefüllter Apfelkuchen Original-Rezept in England sieht übrigens nicht Lebkuchen-Gewürze vor, sondern “Mixed Spice”. Dieses besteht aus einer Mischung von Zimt, Koriandersamen, Kümmel, Muskatnuss, Ingwer, Nelken, Piment und Muskatblüte. Wie man nicht schwer erkennen kann, ähneln sich die Gewürze schon sehr mit denen von unserem Lebkuchen. Da man an Mixed Spice auf normalem Weg nicht herankommt, dachte ich mir, ich biete eine einfache Alternative an. Ich wünche euch gutes Gelingen und guten Appetit!

Cheerio,

Anna

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