Cheos im Kopf

Warum? Wieso nicht?

Nach meiner abgefahrenen ersten Erfahrung als Privatpatient ging es auch direkt weiter. Schließlich musste aus den ganzen Untersuchungen auch etwas folgen. Zur Auswahl standen Magnetwellentherapie, Spritze oder Akupunktur (oder eine Kombination daraus). Die Entscheidung fiel dann – auf Anraten meiner Mutter – auf die Akupunktur. In guter Hoffnung habe ich auch die Cortison-Spritze genommen. Warum nicht die westliche Medizin mit der traditionellen chinesischen Medizin verbinden? Ich habe noch nie Akupunktur gehabt, aber viel Gutes davon gehört – man ist ja offen für Neues. Hier ist also meine Akupunkturstory – oder eher… Mein Akupunktur-Monolog „Entspann dich!“.

Viele Nadeln für einen Tag

Etwas ärgerlich an dem Experiment (wie ich es ansehe) war, dass ich nun nicht genau sagen konnte, ob es die Spritze oder die Nadeln waren, die schließlich den Erfolg bringen sollten. Da ich aber diese Schulterschmerzen um jeden Preis loswerden wollte, hab ich zum Cortison nicht nein gesagt. Dass so eine Spritze an der Schulter unangenehm ist, brauche ich keinem erzählen. Eine Impfung ist aber schmerzhafter. Direkt im Anschluss sollte es also zur Akupunktur gehen. Alles in einem Haus. Das kam mir schon wie eine gewisse Nagel-Überdosis für einen Tag vor. Aber was tut man nicht alles für seine Beweglichkeit?

Hinunter in den Keller und in den leeren Akupunkturraum ging es also. Direkt wurde ich überflutet von einem New Age Klang, der für viele Leute bestimmt pure Entspannung bedeutet. Freimachen, hinlegen, los geht es. In unter einer halben Minute steckten etwa 7 oder 8 Nadeln in mir, wortwörtlich von Kopf bis Fuß. Ich fühlte mich wie ein lebendiges Nadelkissen. Mit der Empfehlung, ich soll mich 20 Minuten entspannen wurde ich allein gelassen.

Entspannen ist gut. Ich hatte das Gefühl, mich nicht bewegen zu können, aus Angst, die Nadeln fallen direkt heraus, oder schlimmer, bohren sich tiefer hinein. Mit Mühe fand ich also eine einigermaßen komfortable Position für meine Hände und schloss meine Augen. Ich sollte ja entspannen. Scheinbar kann ich das nicht auf Kommando, insbesondere, wenn gerade Nadeln in mir stecken und New Age Musik um mich herum dudelt. Immerhin konnte die Gesichtsmaske ab. Hätte ich das mal gemacht, bevor die Nadel in meinem Ohr steckte. Als ich auch das geschafft hatte, beschäftigte sich mein Gehirn damit, die Instrumente der Musik zu identifizieren. Harfe, Klavier… Gitarre? Oder vielleicht ist es doch eine Laute? Hm…

Ein Buch müsste man lesen können… Ich habe sogar eins dabei. Aber an die Tasche komme ich jetzt nie und nimmer heran. Außerdem gilt das bestimmt nicht als Entspannung. Jetzt strahlt der Schmerz in das Handgelenk aus… Soll das wohl sein? Ist das gut? Ne, Schmerz kann ja nicht gut sein… Oder? Wie geht’s denn der Schulter? Jetzt, wo ich so daran denke, ist da schon viel Druck. Das war vorher nicht. Ist das wohl von der Spritze oder wirken die Nadeln ihr Wunder?

Ist schon komisch, dass so kleine Nadeln so einen großen Effekt haben sollen. Wie das wohl funktioniert? Naja, ist ja bewährt und viele Leute sprechen äußerst positiv davon. Wie viele Minuten wohl schon vergangen sind? Ich könnte einen Blick auf das Handy wagen… Nein, entspannen sollst du! Augen zu! Schon eigenartige Musik. Erinnert an die Ruheräume in der Sauna. Mann, wäre ich jetzt gerne in der Sauna. Schwitzen, lesen, schwitzen, Nickerchen… Es juckt am Fuß. Augen auf! Juckt es jetzt da, wo die Nadel steckt? Kratzen steht ja außer Frage. Na toll, jetzt juckt die Nase auch. Denk das Jucken weg. Du sollst entspannen.

Das waren jetzt doch bestimmt schon 10 Minuten. Puh, und das sollst du… äh.. wie oft denn überhaupt soll das jetzt so laufen? Vier Termine habe ich ja schon. Die wollte die Sprechstundenhilfe mir ja noch ausdrucken. Bekomme ich bestimmt wenn die mir die Nadeln wieder rausziehen. Mann, ist das langweilig. Was muss ich denn heute noch alles machen? Ach nee, das ist ja nun wirklich alles, aber nicht entspannen. Jetzt summen da auch noch Menschen in dieser Musik… Oh! Da hat ein Handy geklingelt. Ist aber nicht meins.

Akupunktur-Monolog… wandernde Gedanken

Also der Druck an der Schulter… Das gefällt mir nicht. Ist das nun ein Zeichen dafür, dass die chinesische Heilkunst wirkt? Oder das Cortison seine Arbeit verrichtet? Oder einfach, dass ich falsch liege? Vielleicht soll das auch gar nicht so sein. Der Arzt hat gesagt, wenn was ist, können sie die Nadeln herausnehmen… Aber hier ist ja keiner. Wie sollte ich denn in so einem Fall auf mich aufmerksam machen? Schreien wäre ja ein bisschen übertrieben.

Hoffentlich kommt keiner zum Parkschein prüfen… Dass ich mir immer noch keine Parkscheibe angeschafft habe… Da kommt bestimmt keiner. Und wenn doch? Was kostet das dann eigentlich?

Ich müsste mein Fahrrad mal zur Reparatur bringen… Bei dem schönen Wetter könnte ich damit zum Tennis fahren. Mensch, du sollst dich doch entspannen… Augen zu! Hmm… also das MRT erschien mir nicht so lang. Die müssten doch gleich kommen. Ach, ein kurzer Blick auf das Handy. Augen auf.

Wenn man am Entspannen scheitert

Vorsichtigst wird das Handy genommen. Ok, die Nadeln halten. So, jetzt ganz langsam… Da kommt ja schon die Sprechstundenhilfe. Klar. Genau als ich das Handy in der Hand habe. Die muss jetzt auch denken, „Diese Handy-Süchtige kann keine 20 Minuten ohne Social Media aushalten“. Naja, Recht hätte sie.

Die Nadeln werden fix herausgezogen und schon kann ich gehen. Wie fühle ich mich? Unverändert. Der Druck auf der Schulter – der aller Wahrscheinlichkeit nach von der Spritze und nicht den Nadeln stammt – besteht weiter. Im Laufe der nächsten zwei Stunden verstärkt er sich und erinnert immer mehr an eine Impfung.

Das war er also, mein erster Akupunktur-Monolog. Natürlich erwarte ich nicht, dass nach Tag 1 direkt eine Wunderheilung eintritt – weder vom Cortison noch von der Akupunktur. Allerdings kann ich dem Prozess wirklich keine Entspannung entnehmen. Man liegt da wie ein halb benutztes Nagelkissen und weiß mit seinen Händen und Füßen nicht wohin. Gleichzeitig kann ich positiv berichten, dass ich mir unangenehmere Behandlungen vorstellen kann. Und beim nächsten Mal gibt es auch vorher keine Spritze, also wer weiß? Vielleicht kann sogar ich mich dann entspannen?

Bis dahin!

Cheerio,

Anna

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